Sonstiges

Veröffentlicht am 6. Januar 2026 von Andreas Tönjes

Die aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist unmissverständlich: Mit einem Risikoindex von bis zu 5,9 ist Wilhelmshaven die am stärksten bedrohte Stadt Deutschlands. Sturmfluten, Starkregen und Hitze sind keine Zukunftsszenarien mehr, sondern messbare Gefahren für unsere Existenz.

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Was fehlt, ist die konsequente Handlungslogik.

Wissenschaft als Navigationshilfe: Die vorliegenden 20 Klimamodelle sind die präziseste Diagnose, die wir je hatten. Sie zeigen uns nicht nur das Risiko, sondern auch die Dringlichkeit. Wissenschaft liefert uns die harten Daten für den Deichbau und die Stadtplanung, aber sie kann uns nicht die Entscheidung abnehmen, wie wir diesen Schutz finanzieren.

Strukturelle Überforderung beenden: Dass Bund und Länder Aufgaben an die Kommunen übertragen, ohne für die Finanzierung zu sorgen, ist kein bloßer Verwaltungsfehler. Es ist ein Systemfehler. Wilhelmshaven wird durch das Festhalten an veralteten Zuständigkeiten und das Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“ finanziell erstickt. In einer Zeit der existenziellen Bedrohung brauchen wir keine neuen Schulden („Sondervermögen“), sondern eine ehrliche Verteilung der vorhandenen Mittel.

Das Prinzip der Ermächtigung: Ein moderner Lastenausgleich. Wir müssen die Klimafrage als soziale Frage begreifen. Echter Schutz für Wilhelmshaven darf nicht allein auf den Schultern der lokalen Steuerzahler und künftiger Generationen lasten. Wir brauchen, analog zum historischen Vorbild von 1952, einen bundesweiten Klima-Lastenausgleich.

Die Regel muss lauten: Wer hat, ermöglicht. Es ist ökologisch und ökonomisch geboten, dass große Privat- und Firmenvermögen, die über Jahrzehnte von der Externalisierung von Umweltkosten profitiert haben, nun einen fairen, zweckgebundenen Beitrag zum Schutz unserer Lebensgrundlagen leisten.

Fazit: Wilhelmshaven ist die Frontlinie. Wenn wir hier scheitern, scheitert die Solidarität im ganzen Land. Wir fordern den Übergang von der bloßen Risikoverwaltung zu einer aktiven, solidarisch finanzierten Zukunftssicherung.

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